Donaufähre Prüfening Donau km 2386,6 Schon vor 6000 Jahren existierte an der heutigen Naabmündung eine Furt. Die Römer errichteten ca. 180 n. Chr. am rechten Donauufer vier Wachtürme, um diesen Übergang zu sichern, da hier die einzige Überquerungsmöglichkeit der Donau war. Ab dem 9. Jahrhundert gab es eine Überfuhr (mittelalterliche Bezeichnung für Fähre) in Prüfening. Sie war noch nicht an einem Seil befestigt und wurde durch Schrägstellen der Überfuhr von der Strömung zum anderen Ufer getrieben. Anschließend mußte die Fähre einige Meter am Ufer entlang stromaufwärts gezogen werden. Ihre größte Bedeutung und somit auch Blütezeit hatte die Fähre im Mittelalter. Sie verband die beiden Handelszentren Süddeutschlands, Regensburg und Nürnberg. Durch das Prebrunntor und den Brunnweg gelangten die Fuhrwerke nach ´Prifling´. Hier wurden sie übergesetzt und fuhren weiter über den Hohlweg nach Riegling, Deuerling und entlang der heutigen B 8 nach Nürnberg. Selbst die Fertigstellung der Steinernen Brücke 1146 beeinträchtigte die Überfuhr in ihrer Monopolstellung nicht, da die Straße am nördlichen Donauufer erst 1486 angelegt wurde und Mautgebühren beim Überqueren der Brücke sowohl in Regensburg als auch in Stadtamhof bezahlt werden mußten. Im Jahr 1052 fuhren Kaiser Heinrich III. und Papst Leo IX. in Prifling über. Sie waren zur Heiligsprechung des Bischofs Wolfgang nach Regensburg gekommen und zogen nach Bamberg zur Bistumsgründung. Dabei wurde der Sage nach die Kapelle in Bruckdorf vom Hügel herunter durch den Papst geweiht. Bischof Otto I. von Bamberg reiste 1109 nach Regensburg zur Reichsversammlung. Ihm wird dabei ausdrücklich freie Überfahrt in Prifling gewährt. Die Überfahrt im Besitz des Klosters Prüfening wird schon 1189 schriftlich erwähnt. Bei einem Gütertausch zwischen Bischof Konrad III. von Regensburg und Abt Balduin von Prüfening wird „den Leuten des Bischofs das Schiffsgeleit in dem Urfar zu Prüfening prompt und ohne Entgelt“ zur Verfügung gestellt. Die Überfuhr war eine der wichtigsten Einnahmequellen des Klosters. Sie wurde nicht von Mönchen, sondern von Donaufergen (Fährleuten) unterhalten und bedient. Das Amt der Fergen wurde in einigen Familien über Generationen weitervererbt, wie z. B. in der Familie Hofmeister. Schon im Mittelalter gab es Streit um das Überfuhrrecht. Die Bewohner von Orth (heute Mariaort) wollten ebenfalls überfahren. Dies wurde ihnen aber 1367 durch den Viztum (Stell­vertreter des Herzogs) in Amberg verboten (ältestes noch erhaltenes Dokument über die Fähre). Nur das Übersetzen von Wallfahrern wurde ihnen 1729 erlaubt. In der Säkularisation 1803 enteignete der bayerische König durch das Königliche Rentamt Stadtamhof die Überfuhr in Prüfening. Drei Bauern, die schon seit Generationen als Fergen gearbeitet hatten, kauften die Fähre (Hofmeister, Rieger, Stuhlfelder). Die Familie Hofmeister übernahm zwischen 1834 und 1871 die Anteile der anderen Fährenbesitzer. Schon vor vielen hundert Jahren wurde ein Seil hinter dem Bauernhof im Fels verankert und über die Donau gespannt. An ihm wurde die Fähre mit einem Gierseil befestigt. Das Gierseil stellte die Fähre schräg in die Strömung und mußte nach jeder Überquerung umgehängt werden. Die Prüfeninger Bauern erwarben nach der Säkularisation billig Wälder und Wiesen am anderen Donauufer, die zuvor im Besitz der Kirche waren. Die Fähre wurde für sie ein wichtiges Transportmittel. Ab dem 19. Jahrhundert verlor die Fähre Schritt für Schritt an Bedeutung. Als 1873 die Sinzinger Eisenbahnbrücke fertiggestellt war, verlor die Fähre viele Kunden, da vor allem im Winter Personen und Güter mit der Bahn schneller und sicherer befördert werden konnten. Die Fähre wurde vom Bauernhof der Hofmeisters (30 m oberstrom der Sinzinger Brücke) an ihren heutigen Standort (ca. 100m stromabwärts) verlegt, da sie bei einem Riß des Haupt- oder Gierseils am Brückenpfeiler zerschellen könnte. Schon einige Jahre später zeigten sich negative Auswirkungen für die Fähre. In der Nehrung unterhalb des Brückenpfeilers bildeten sich Sandbänke, die von der Fähre besonders bei niedrigen Wasserständen nur durch Verlängerung des Gierseils unterstrom passiert werden konnte. Bis 1925 wurden in Prüfening hölzerne Fähren verwendet. Dann ließ Michael Hofmeister (1881- 1965) zwei eiserne Fähren in der Schiffswerft Uebigau bauen, die er nach seinen beiden Töchtern "Maria" und "Rita" nannte. "Maria", die größere, wurde zum Transport von Fuhrwerken verwendet. Sie war 18 m lang, 4,5 m breit und hatte eine Traglast je nach Wasserstand von 12 bis 18 Tonnen. Sie war bis 1976 in Betrieb. "Rita", die zweite Fähre, die fast ausschließlich der Personenbeförderung diente und bis zu 50 Fahrgäste faßte, war 12 m lang und 3 m breit. Beide Fähren wurden im Sommer wegen des regen Verkehrs gleichzeitig betrieben. An einem höheren Hauptseil wurde die "Rita" mit einem längeren Gierseil befestigt. Dadurch konnten beide die Donau überqueren, ohne daß sich dabei die Gierseile kreuzten. Anfang Mai 1945 wurde die Fähre, wie auch alle Brücken in Regensburg, trotz Fürbitte des Besitzers Michael Hofmeister von deutschen Pionieren gesprengt, um den anrückenden Amerikanern das Überqueren der Donau zu erschweren. Aber bereits Ende Mai 1945 wurde die Fähre an Land gezogen, vom Prüfeninger Schmied Max Hoferer mit einfachsten Mitteln notdürftig repariert und wieder in Betrieb genommen. Sie stellte neben der von den Amerikanern erbauten Panzerbrücke im Altstadtgebiet die einzige Verbindung zum anderen Donauufer dar. Daneben war sie die erste Fähre auf der ganzen bayerischen Donau, die nach Ende des Weltkrieges wieder in Betrieb genommen wurde. Auf der Sinzinger Brücke, entlang der Eisenbahnstrecke nach Ingolstadt, errichtete die Gemeinde Sinzing einen provisorischen Fußweg. Dies führte zu einem weiteren Rückgang des Fährbetriebes. Mit der Autobahn Regensburg – Nürnberg (Fertigstellung der Autobahnbrücke 1965) verlor die Fähre nun auch ihre Bedeutung im Transport von Fahrzeugen. Zuvor wurden täglich ca. 100 Fahrzeuge übergefahren. Schon früh morgens wartete eine Autoschlange in Kleinprüfening. Es wurden zwischen 8 und 10 Autos, wie BMW Isetta, VW Käfer, Goggomobil und Messerschmitt Kabinenroller, in die Fähre "geschlichtet" und übergesetzt. Die damaligen Preise lagen bei 80 Pfennigen für einen Pkw und 10 Pfennigen für einen Erwachsenen. Heute dient die Fähre noch dem landwirtschaftlichen Verkehr und sonstigen Fahrzeugen, die nicht auf der Autobahn fahren dürfen, wie z. B. Bagger, Radlader usw. Damit bleibt eine alte Tradition und ein wichtiger Bestandteil der Dorfgemeinschaft in Prüfening erhalten. Helene Wiethaler